Ferrari Dino

Es ist eine der großen philosophischen Fragen in der Welt der klassischen Automobile. Wenn ein Sportwagen in Maranello entwickelt, von Pininfarina gezeichnet und von Scaglietti gebaut wird – ist er dann automatisch ein Ferrari? Die Logik sagt Ja. Doch die Geschichte des „Dino“ sagt: Es ist kompliziert.

Ein Blick auf das Beitragsbild – eine stimmungsvolle Pastellzeichnung der Heckpartie eines roten Sportwagens – lässt das Herz jedes Autoliebhabers höherschlagen. Die kurvigen Kotflügel, die sinnliche Linienführung, das Rosso Corsa. Alles schreit „Ferrari“. Doch wenn man näher herantritt, fehlt etwas Entscheidendes.

Kein „Cavallino Rampante“ (das steigende Pferd). Kein Schriftzug „Ferrari“. Stattdessen ziert ein eleganter, fast handschriftlicher Namenszug das Heck: Dino.

Der „Un-Ferrari“: Ein technischer Stilbruch?

Bis heute ranken sich Mythen darum, warum Enzo Ferrari diesem Auto seinen berühmten Namen verwehrte. Die gängigste Erklärung liegt in der Technik, die für den „Commendatore“ damals alles andere als typisch für seine Marke war.

Ein echter Ferrari, so die damalige Doktrin in Maranello, brauchte zwölf Zylinder. Der Dino hingegen trat „nur“ mit einem V6-Motor an. Zudem hatte er anfänglich nur 2 Liter Hubraum und – vielleicht der größte Bruch mit der Tradition – der Motor saß nicht vorn, sondern als Mittelmotor hinter dem Fahrer.

All diese Merkmale deuteten auf einen radikalen Sportwagen hin, aber eben nicht auf einen klassischen Ferrari Gran Turismo jener Zeit. Wollte Enzo sein Premium-Image schützen, indem er den „kleinen“ Sechszylinder unter einer Submarke laufen ließ, um Porsche herauszufordern?

Eine Frage des Herzens: Das Vermächtnis von Alfredo

Doch die technische Erklärung ist nur die halbe Wahrheit. Die andere Hälfte ist zutiefst menschlich und tragisch. Der Name „Dino“ ist mehr als eine Marke; es ist der Spitzname von Alfredo Ferrari, Enzos geliebtem Sohn.

Alfredo war ein begabter Ingenieur und der designierte Nachfolger seines Vaters. Er war es, der, schon schwer erkrankt, die Entwicklung des V6-Motors vorantrieb, den er für die Zukunft des Rennsports hielt. Tragischerweise starb Dino 1956 im Alter von nur 24 Jahren an Muskeldystrophie.

Sein Tod brach Enzo Ferrari das Herz. Es dauerte zehn Jahre, bis das Auto, das von dem Motor angetrieben wurde, den sein Sohn initiiert hatte, auf den Markt kam.

„Der Dino ist nicht nur ein Auto aus Stahl und Aluminium. Er ist ein rollendes Denkmal eines Vaters an seinen verlorenen Sohn.“

Ein Denkmal auf Rädern

Wenn man diese Geschichte kennt, erscheint das Fehlen des Ferrari-Logos in einem anderen Licht. Vielleicht war der Name „Ferrari“ für Enzo zu geschäftlich, zu sehr mit Rennsport und Kommerz verbunden für dieses spezielle Auto.

Indem er dem Wagen ausschließlich den Namen „Dino“ gab, erhob er ihn über die normale Modellpalette. Es war kein „Ferrari 246 GT“, es war einfach „der Dino“. Eine sehr persönliche, fast intime Hommage.

Die Kunst, das Wesentliche zu sehen

Die Pastellzeichnung der Heckpartie fängt genau diese Essenz ein. Das Medium Pastell, mit seiner Weichheit und den fließenden Farbübergängen, passt perfekt zu den sinnlichen Formen der Karosserie. Es braucht kein springendes Pferd auf dem Bild, um zu erkennen, dass hier automobile Leidenschaft und italienische Designkunst am Werk waren.

Sollte der Dino nun ein Ferrari sein oder nicht?

Die Sammlerwelt hat diese Frage längst beantwortet: Die Preise für Dinos haben sich längst auf echtem Ferrari-Niveau eingependelt. Doch die historisch korrekte Antwort bleibt ambivalent. Er ist technisch ein Ferrari, aber emotional ist er etwas Eigenständiges. Er ist ein Denkmal. Und vielleicht macht ihn gerade das Fehlen des Pferdes zum persönlichsten „Ferrari“, der je gebaut wurde.